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Miss The Stars Fest IV

“Weiß du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn‘s so richtig scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.”
– Absolute Giganten

Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass „alles scheiße“ wäre. Dennoch gibt es manchmal Erlebnisse, bei denen ich wünschte, die Platte würde springen oder noch besser, sie würde durchlaufen. Der Wunsch nach einer Endlosschleife hätte auf dem Miss The Stars Fest IV vom 5. bis 6. Mai 2017 nicht präsenter sein können.

Mit Vorfreude und Aufregung im Nacken ging es nun in die Zukunft am Ostkreuz/ Berlin Friedrichshain, welches für das Fest einen großen und kleinen Raum bot; ersterer mit ausreichend Luft für über 500 Menschen, zweiterer dafür mit klarerem Sound. Im Hof tummelten sich am Abend im Schein von Chaplins Stummfilmen bei einem kühlen Glas goldener Zukunft Plaudernde und Hungrige, im lauschigen Garten Durchatmende und Kaufwütige. Nachdem sich hinter dem Tageslicht die Türen schlossen, eröffneten Anti-Corpos das Fest. Sicher waren sie nicht die Band, die musikalische Kartenhäuser einstürzen ließen, dafür vermittelten sie den DIY-Gedanken durch und durch; den Gedanken, dass es beim Musik Machen in erster Linie um Spaß und Neugierde geht. Lentic Waters und Archivist waren mit ihrer Sinnflut an Neocrust ganz flapsig gesagt einfach „fett“. Auf LIRR freute ich mich besonders, da ihre EP sowie ihre Show in Halle im vergangenen Jahr bei mir Spuren der Begeisterung und Gerührtheit hinterließen. An diesem Grundtenor knüpfen sie auf der Small Stage an, wenn auch die Stimmung im Raum leider nicht nur durch diesen bedingt vibrierte. Nach den wundervollen Songs “teeth” und “skin” spielten sie neue Stücke, die sich deutlich punkiger aber durch das Trommeln des Gitarristen auf einer weiteren Standtom wiederum sehr speziell anhörten. Mein persönliches Highlight des Abends und wohl auch des Wochenendes waren Sore Eyelids. Ich verfolge ihre Mixtur aus Shoegaze, Indie und Screamo seit ihrer ersten Demo aus dem Jahr 2009 und habe nie aufgehört ihren Stil zu schätzen. Zart und ruhig begann ihr Set, welches sich in einer Intensität steigerte, ohne dass eine gewisse Fragilität verloren ging.

Sore Eyelids | by Jessica Hammer (brknflowers)

Tag zwei begann mit Young Mountain, einer mir bisher unbekannten Band, die mit einem hohen Maße an Ausgereiftheit keinen beeindruckenderen Start hätten gestalten können. Eine weitere Überraschungsband auf der kleinen Stage waren Charlotte Light And Dark, die sich zwischen chaotischen, schnellen Rhythmen, Verspieltheit und zweiflerischem Gesang einordnen. In gänzlich kontrastreicher Stimmung hierzu schlossen sich I Love Your Lifestyle an. Mit drei Gitarren, teilweise im Tab-Paradies und hochstimmigem Gesang versprühten sie virtuos pure Glückseligkeit, bei der man nicht umhin kam, fortwährend zu staunen und zu lächeln. Nach Verschnaufpausen und dem einen oder anderen Schnack, blieb ich bei Boneflower hängen. Der melodische Screamo catchte nicht wenig, insbesondere der Gesang mit Delay auf der Stimme, der zu Beginn kurz vor den Kopf stieß. Als Abschluss des Abends fanden sich Suis La Lune auf der Main Stage ein. Zwischen lauten und leisen Klängen, zwischen tragenden und leichten Passagen formte sich eine Melancholie – zum Einen durch die per se traurigen Stücke und zum Anderen mit dem Wissen, die Blase an großartigen Bands, Zauberhaftigkeit und netten Begegnungen wieder verlassen zu müssen.

„Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.”

An dieser Stelle darf nicht der große Dank an alle involvierten Menschen des Miss The Stars Festes unerwähnt bleiben, die merklich viel Mühe und Leidenschaft in diese zwei Tage hinein gesteckt haben.

Suis La Lune | Jessica Hammer (brknflowers)

1 kommentar

  1. X

    ein authentischer bericht, den du textlich sehr erfrischend verpackt hast..

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